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THEORETISCHE EINFÜHRUNG1 EinleitungDer Rettungsdienst der Bundesrepublik Deutschland befindet sich auf einem außerordentlich hohen technischen Niveau. Die Dichte der Rettungswachenstandorte, Notärzte und das flächendeckend ausgebaute Netz von Rettungshubschrauberstützpunkten ist im internationalen Vergleich einmalig. Die sprunghafte technische und zivilisatorische Entwicklung des 20. Jahrhunderts brachte gleichzeitig eine steigende Zahl von Notfallsituationen mit sich.Obwohl das Rettungswesen inzwischen durch die moderne Rechtslehre als wesentlicher Teil der durch den Staat zu gewährenden Daseinsvorsorge definiert wird, sind aufgrund der historischen Entwicklungen die rettungsdienstlichen Aufgaben in der Bundesrepublik Deutschland praktisch den Hilfs- oder Sanitätsorganisationen sowie den Feuerwehren und privaten Krankentransportunternehmen übertragen, die im Rahmen der Rettungsdienstgesetze der Länder tätig werden und ihre Kosten abrechnen (KURTENBACH et al. 1997). Die Ursprünge des zivilen Krankentransportes wurden durch den militärischen Verwundetentransport während der konventionellen Kriege des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts beeinflusst. Maßnahmen zur Versorgung der primär chirurgischen Patienten beschränkten sich dabei auf die klassische erste Hilfe, wie das Anlegen von Verbänden oder Schienung von Frakturen. Der Rettungsdienst entwickelte sich von einer primären Transportaufgabe, die von samaritanischen Laien durchgeführt wurde hin zu seiner heutigen Form, die sich als präklinische Phase der Notfallmedizin versteht. Der Schwerpunkt der Organisation des Rettungsdienstes liegt inzwischen auf der Wiederherstellung bzw. Unterstützung der Vitalfunktionen und ihrer Aufrechterhaltung auf dem Weg zum Krankenhaus. Ziel ist, das Überleben des Notfallpatienten zu sichern und gesundheitliche Folgeschäden soweit wie möglich abzuwenden und zu verringern (vgl. RUNGGALDER 1998). Die Anzahl der Einsätze des organisierten Rettungsdienstes wurden für die Jahre 1994/95 in der Bundesrepublik Deutschland auf 8,5 Mio. geschätzt. Bei zwei von fünf Einsätzen ( ca. 3,4 Mio.) handelte es sich um Notfalleinsätze. Die präklinische Versorgung bei diesen Notfalleinsätzen wurde nur in 43,4% der Fälle unter Beteiligung eines Notarztes durchgeführt. Mehr als die Hälfte (56,6%) der durch Notfallereignisse betroffenen Patienten wurde ausschließlich durch nichtärztliches Rettungsdienstpersonal versorgt (KURTENBACH et al. 1997). Aufgrund der örtlichen Strukturen haben sich bundesweit zwei unterschiedliche Strukturen des bodengebundenen Notarztdienstes entwickelt. Neben dem klassischen Stations-System, bei dem der Notarzt mit einem speziellen Rettungswagen (NAW) zum Notfallort ausrückt, hat sich vermehrt das Rendez-vous-System etabliert. Hierbei wird der Notarzt von seinem Tätigkeitsort mit einem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) zum Notfallort gefahren. Gleichzeitig wird der dem Einsatzort am nächsten gelegene verfügbare Rettungswagen (RTW) alarmiert. Inzwischen werden mehr als drei Viertel der Notarzteinsätze so bedient (Kühn et al. 1998, S. 524). Da die Dichte des Netzes mit Rettungswagenstandorten jedoch wesentlich höher ist als die der Notarztstandorte, muss insbesondere im ländlichen Raum davon ausgegangen werden, dass die primäre Versorgung von Notfallpatienten bis zum Eintreffen des Notarzteinsatzfahrzeuges ebenfalls ausschließlich durch nichtärztliches Assistenzpersonal erfolgt. Wichtiges Beurteilungsmerkmal für die Leistungsfähigkeit eines Rettungsdienstes ist die Bedienschnelligkeit. Die durchschnittliche Eintreffzeit des 1. Rettungsmittels am Einsatzort lag 1995 im Bundesdurchschnitt bei 7,4 Minuten. Auch wenn der Durchschnittswert für das Eintreffen des bodengebundenen Notarztes nur 9,0 Minuten betrug, darf dies nicht darüber hinwegtäuschen, dass 95% der Notärzte binnen 18,6 Minuten eintrafen (vgl. KURTENBACH et al. 1997). Die genannten Zahlen belegen die eminente Bedeutung eines qualifizierten nichtärztlichen Rettungsdienstpersonals, insbesondere der Rettungsassistenten als berufliches Rückgrat des deutschen Rettungswesens. Das Rettungspersonal führt lebensrettende Maßnahmen bei Notfallpatienten durch, stellt Vitalfunktionen wieder her oder hält diese aufrecht. Die Situationen, in denen das Rettungsdienstpersonal Notfallpatienten antrifft, stellen meist Extremsituationen dar. Es existiert kaum ein anderes Berufsfeld, in dem die mehrfache Konfrontation mit extremen oder traumatischen Ereignissen so wahrscheinlich ist wie im Rettungsdienst. „Dabei beziehen sich traumatische und extreme Situationen nicht nur auf Großschadensereignisse oder technisch bzw. menschlich verursachte Katastrophen, sondern auch auf Einsätze im rettungsdienstlichen Alltag. Die Konfrontation mit traumatischen und extremen Situationen beinhaltet den Umgang mit schwerentstellten oder sterbenden Opfern und den Kontakt mit Toten. Auch der emotionale Kontakt mit Überlebenden und Angehörigen sowie die Betroffenheit der eigenen Kollegen können für das Rettungsdienstpersonal schwere Belastungen darstellen.“ (BENGEL et al. 1997, S. 42). Schwerpunkte der Aus und Fortbildung für das Rettungsdienstpersonal
müssen deshalb nicht nur die Vermittlung notfallmedizinischer, sondern
auch psychosozialer Handlungskompetenzen sein. Es ist zu erwarten, dass
das Personal entsprechend auf die Konfrontation mit psychisch und/oder
physisch belastenden Situationen vorbereitet wird und nach der Ausbildung
über geeignete Verarbeitungs- und Bewältigungsmöglichkeiten
verfügt. Diese Arbeit untersucht den Ausbildungsstand des nichtärztlichen
Rettungsdienstpersonals in der Bundesrepublik Deutschland exemplarisch
im Hinblick auf die obengenannten Kompetenzen.
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Download als Word Dokument Copyright by Dipl. med. paed. Frank Bindmann 2003 ©
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